Stiftung Burg Ravensberg - Geschichte und Natur im Teutoburger Wald

Die Burg Ravensberg (Ravensburg) bei Borgholzhausen, Stammburg des Ravensberger Landes

"Don Quichote" im Burgtheater am 23. Juli

Es war einer jener traumhaften Abenden, die in der Erinnerung noch lange nachklingen.

Das Thema war der Burg wie auf den Leib geschneidert: Am Beispiel des Endes des Mittelalters und des Heraufziehens der Neuzeit schildert der Spanier Miguel de Cervantes in seinem Werk "Don Quichote" aus den Jahren 1605/1615 das Schicksal eines Ritters aus dem niederen kastilischen Adel (Hidalgo), der den gesellschaftlichen Normen und moralischen Werten einer untergegangenen Zeit nachhängt und den Weg in die neue Zeit nicht finden kann. Don Quichote verliert dabei den Sinn für die Realitäten und versteigt sich in Einbildungen, die an seiner Zurechnungsfähigkeit zweifeln lassen. Doch obwohl er auf seinen Wegen in immer wieder neue lächerliche, ja ihn demütigende Situationen gerät,  bleibt der Adel seiner seiner Sehnsucht nach einer moralisch heilen Welt unangetastet. Cervantes hat dieses ewig junge Thema in burleske Scenen und bunte Bilder eingekleidet, die jedoch nie in billigen Klamauk ausarten, sondern durch die stets das Licht menschlicher Sehnsucht nach einer idealen, unerreichbaren Welt schimmert. Nicht umsonst hat dieses Werk der Weltliteratur die Jahrhunderte überdauert und thematisiert  so auch die Probleme unserer heutigen Zeit.

Die Canaillen-Bagage, eine freie Theatergruppe aus Bielefeld, unter der Leitung ihres erfahrenen Regisseurs Michael Zimmermann war schon mehrfach Gast in unserem Burgtheater und wusste immer wieder zu begeistern. Doch was sie diesmal an Spielfreude und Können boten, war nicht mehr zu übertreffen. Natürlich bietet das Stück "Don Quichote" reichhaltige Möglichkeiten, seine Schauspielkunst unter Beweis zu stellen, und natürlich ist das Gegensatzpaar des adligen Don Quichote und seines  naiven, bodenständig- verschmitzten Begleiters aus einfachen Verhältnissen "Sancho Pansa" ein dramaturgisches Traumpaar, das bereits durch seine Existenz an sich heitere Nachdenklichkeit  auslöst. Doch was die beiden Schauspieler daraus machten, war schon Theaterkunst der Extraklasse. Vergessen werden sollten darüber nicht die anderen Schauspielerinnen und Schauspieler, mit denen jede Rolle passgenau besetzt war und die jede/jeder für sich eine exzelente Leistung erbrachten.

Als die letzten Sonnenstralen hinter den Burgmauern veschwunden waren, die Don Quichote eine vorübergehende Heimstatt auf der Reise seines Lebens gewährt hatten, und die Dämmerung hereinbrach, dankte das Publikum mit begeistertem Beifall. Vielen Besuchern aus dem vollbesetzten Theater, die bei improvisierter Schaffung weiterer Sitzplätze geholfen haben, dankt die Stiftung von ganzem Herzen.