Die Geschichte der Burg Ravensberg

Burg Ravensberg ist die älteste und damit die Stammburg der Ravensberger Grafen, die mit der Burg Ravensberg, der Burg Sparrenberg in Bielefeld, der Burg Vlotho, der Burg Limberg und der Burg Holte zeitweise fünf Höhenburgen in Besitz hatten. Von diesen Burgen wurden jedoch nur die Burg Ravensberg bei Borgholzhausen und die “Sparrenburg” in Bielefeld von den Landesherren selbst erbaut.

Die Burg Ravensberg im Mittelalter

Mit dem Bau der Burg Ravensberg wurde um 1070 unter Hermann von Calvelage begonnen. In diesem Jahr heiratet dieser die älteste Tochter des  Sachsenfürsten Otto von Northeim, Ethelinde. Urkundlich erstmalig erwähnt wird die Burg jedoch erst im Jahr 1141. In selbiger Urkunde ist auch das erste Mal von einem “Grafen von Ravensberg” die Rede.

Die Burg Ravensberg beherschte damals als wehrhafte Höhenburg den Pass durch den Teutoburger Wald bei Holthusen, dem heutigen Borgholzhausen. Einen Eindruck vom imposanten Anblick der mächtigen Burganlage, noch bevor Wald die Sicht auf den Großteil der Burg verdeckte, vermag dieses Bild von 1836 vermitteln.

Der mächtige Bergfried mit seinen im Grund fast drei Meter dicken Mauern dürfte das erste Bauwerk auf der ursprünglich etwas kleiner angelegten Burganlage gewesen sein. Eine Besonderheit des Turmes ist seine Tropfenform, die auch im Sockelbereich des Turmes der “Schwesternburg” in Bielefeld anzutreffen ist. Vermutlich ließ Graf Otto der I. die Burganlage nach 1140 um eine Vorburg mit einer durchgehenden Ringmauer aus Stein sowie den östlichen Bereich im heutigen Burggarten auf der Hauptburg erweitern. Nach diesen Baumaßnahmen befand sich der Bergfried mittig auf der Burg und teilte mit seinen angrenzenden Gebäuden und Mauern die Burg baulich in eine Vor- und Hauptburg. Ein zweiter Turm an der westlichen Ringmauer, durch dessen durchbrochenes Fundament man heute die Burg betritt, wurde zwischen 1175 und 1225 errichtet; er mag in etwa zwei Drittel der Ausmaße wie der heute noch erhaltene Bergfried gehabt haben.

Nachdem das Geschlecht der Ravensberger im Jahre 1346 in der männlichen Linie ausstarb, ging die Grafschaft über Margarethe von Ravensberg in den Besitz des Herzogs von Jülich-Berg über und wurde damit erstmalig zum Streubesitz eines anderen Adelshauses.

Die Burg Ravensberg: 1500 – 2002

In der Neuzeit wurde die Burg Ravensberg zu Gunsten der Sparrenburg in Bielefeld immer mehr vernachlässigt. Deshalb wurde nur die “Sparrenburg” zur Festung ausgebaut, um den Kanonen, einer ab jetzt aufkommenden Waffentechnik, baulich etwas entgegen zu setzen.

Dennoch war die Burg Ravensberg auch zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges noch immer ein strategischer Stützpunkt. Im Jahre 1623 wurde die mit sieben Mann besetzte Burg von Lübbert de Wendt und 100 katholischen Ligisten eingenommen. 1628 gelang es dann den protestantischen Niederländern, die Burg einzunehmen. Feldherr von Tilly höchstselbst soll zur Rückeroberung herangeeilt sein, musste aber unverrichteter Dinge wieder abziehen, weil sich die Niederländer uneinnehmbar auf der Burg verschanzt hatten.

25 Jahre nach Ende des Dreißigjährigen Krieges wurde die Burg dann im Jahre  1673 durch einen Kanonenangriff des Bischofs von Münster so stark beschädigt, dass sie ihre militärische Bedeutung vollends verlor. 1695 verließ der letzte Burgbeamte die Burg Ravensberg  – wegen Baufälligkeit.

Im 18. Jahrhundert verfiel  die Burg unter preußischer Hoheit weiter und diente der umliegenden Bevölkerung ab 1733 sogar offiziell als Steinbruch. Erst 1836 wurde der weitere Verfall der Burgruine gestoppt. Der Oberpräsident der Provinz Westfalen, Ludwig von Vincke, engagierte sich für den Erhalt der Burg und die Errichtung einer Aussichtsplattform auf dem Turm, dessen mittelalterliche Bausubstanz im gleichen Zuge gesichert wurde. Über 1000 Taler wurden gesammelt, um die Pläne des preußischen Baumeisters Karl Friedrich Schinkel in die Tat umzusetzen. Nach 1837 begann dann das vorerst letzte Kapitel in der Geschichte von Burg Ravensberg: das eines überaus beliebten Ausflugszieles.

In den Jahren 1867/68 wurde nach Plänen des verstorbenen Schinkel das bereits auf der Burg befindliche, jedoch baufällige Forsthaus durch einen Neubau mit Gaststube ersetzt. König Wilhelm I. von Preußen selbst hatte zu diesem Bau einige tausend Mark zur Verfügung gestellt – sollte es die Attraktivität der Burg doch nochmals steigern. Die 1886 fertiggestellte Bahnstrecke des “Haller Wilhelm” erhöhte zudem die Erreichbarkeit und auch damit die weiteren Besucherzahlen.

Nach dem 2. Weltkrieg, den die Burg glücklicherweise recht unbeschadet überstanden hatte, wurde das Land Nordrhein-Westfalen Eigentümer der Burganlage. Am Ende hatte sich die Landesregierung jedoch zu wenig um den Erhalt der Burg gekümmert.

Die Burg Ravensberg – Sanierung

2002 war der Verfall der Burganlage so weit fortgeschritten, dass Teile aus Sicherheitsgründen für die Besucher gesperrt werden mussten. Die Landesregierung wollte sich von der unrentablen Burganlage trennen und suchte mittlerweile einen privaten Käufer. Um die Burg zu retten und weiterhin für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen, entstand im Kreise einiger Institutionen die Idee einer gemeinnützigen Stiftung, die Ende 2004 in die Tat umgesetzt wurde. Das Land stimmte der Übernahme zu. In Folge ermöglichten eine geradezu grandiose Spendenbereitschaft der Bevölkerung und ortsansässiger Firmen sowie öffentliche Mittel nicht nur die finanzielle Absicherung der neu gegründeten “Stiftung Burg Ravensberg”, sondern auch die komplette Restaurierung der verbliebenen Bausubstanz bis 2011. Ein nicht unerheblicher Teil dieser Restaurierungsarbeiten wurde von freiwilligen Helfern in ehrenamtlichem Einsatz geleistet.

In den Jahren 2004-2005 wurde zuallererst die kleine Fachwerkscheune, das ehemalige Wirtschaftsgebäude des Forsthauses, saniert und zum “Ravensberger Klassenzimmer” um- und ausgebaut. Da sich die Stiftung einen pädagogischen Auftrag auf die Fahnen geschrieben hatte, konnten so zusätzliche Fördergelder akquiriert werden.

2006 wurde mit den Sanierungsarbeiten des Bergfrieds begonnen. Sämtliche Fugen des Turmes mussten ausgekratzt und in mühevoller Handarbeit neu angelegt werden. Ausgewaschene Hohlräume wurden verfüllt und lose Steine durch neue, von Hand zugeschnittene, ersetzt. Ganze Teilbereiche mussten komplett aus- und wieder eingebaut werden. Doch schon ein Jahr später konnte der Bergfried für die Öffentlichkeit wieder geöffnet werden.

Archäologische Grabungen von 2006 durch die Universität Bamberg hatten ein großes Loch in der Vorburg geschaffen. Da die dabei freigelegten Mauerreste  auch weiterhin sichtbar bleiben sollten, wurden sie 2007 aufwändig saniert und so ein einfaches Grabungsloch in ein entzückendes, kleines Freilichttheater umgewandelt.

2008 und 2009 wurde das Forsthaus außen wie innen komplett saniert und so umgebaut, dass es modernen gastronomischen Anforderungen gerecht wurde. Gleichzeitig wurden die nördlichen Ringmauern mit dem gleichen Aufwand wie zuvor der Turm restauriert.

2010 konnten schließlich die Sanierungsarbeiten an den südlichen Ringmauern der Burg beginnen. Zugleich machten sich technisch beonders versierte Mitglieder des Heimatvereins Borgholzhausen daran, in mühevollen Stunden den Brunnen wieder in seinen mittelalterlichen Urzustand zu versetzen und sogar die mittelalterliche Fördertechnik – also das große hölzerne Laufrad – wieder gangbar zu machen.

Im Jahr 2011 konnte mit einem Sommerfest der vorläufige Abschluss der Sanierungsarbeiten an der Burg gefeiert werden. 2012 bot sich die Übernahme eines kleinen, halb verfallenen und denkmalgeschützten Backhauses an, das fachmännisch restauriert wurde und im Folgejahr an seinen heutigen Standort im vorderen Teil des  Burggartens “wanderte”. Ende 2017 konnte der Fahnenmast auf dem Turm im Zuge einer kuriosen Spontanspende durch ein längeres Modell ersetzt werden. Und sogar für die nähere Zukunft ist noch ein Projekt vorhanden: die Restaurierung des alten, gräflichen Latrinenerkers an der Sonnenterrasse der Gaststätte.

Natürlich gilt es heute, den baulichen Zustand der Burganlage zu erhalten, was bisweilen größere Probleme verursacht. So musste die äußere Abdeckung der Turmdecke bereits ein Mal in Puzzlearbeit teilersetzt und mit einer zweiten Lage Bitumenbahnen abgedeckt werden. Die grünbepflanzten Schutzabdeckungen der Ringmauerkronen müssen gut im Auge behalten werden. Und auch Mutter Natur rückt den Mauern gerade im Bereich des südlichen Hanges immer wieder gefährlich nahe, so dass regelmäßige Pflegearbeiten notwendig werden.

Die Burg Ravensberg unter Stiftungshoheit

Seit der Sanierung durch die Stiftung ist die Burg Ravensberg als Ausflugsziel in der Region OWL immer beliebter geworden und mehr und mehr zu neuem Leben erwacht. Neben Führungen an Sonn- und Feiertagen werden viele Veranstaltungen angeboten. An Wochentagen besuchen Schulklassen und Kindergärten die Burg, um einen spannenden, von den pädagogischen Mitarbeitern der Stiftung betreuten Ausflug zu genießen und Interessantes zu den Themen Natur und Geschichte zu erfahren.

Besonders sehenswert sind heute der im Rahmen einer Führung zu besichtigende, etwa 20 Meter hohe Bergfried, der mit seiner komplett erhaltenen mittelalterlichen Halbkuppeldecke eine echte Besonderheit darstellt und eine unvergleichlichen Aussicht weit über das Land bietet.

Ebenso beeindruckend ist das im Zuge der Burgführung zu besichtigende Brunnenhaus mit dem funktionstüchtigen, alten Förderrad und dem komplett ausgeleuchteten Burgbrunnen – mit seinen etwa 100 Metern Tiefe neben dem Kyffhäuser-Brunnen einer der tiefsten mittelalterlichen Burgbrunnen in Deutschland!

Auch lohnt sich ein Spaziergang um die Burganlage herum, wo man die Reste der sanierten Burgmauern und die imposanten Dimensionen der Anlage bestaunen kann.

Aber nicht nur die Geschichte der Burg ist einen Ausflug wert, denn schon der Weg zur Burg hoch oben auf den Ravensberg mitten im Wald durch das umgebende Naturschutzgebiet ist immer ein Naturerlebnis – nicht nur, wenn im Frühling die Berghänge übersät mit Frühlingsblumen sind.

Das Burggelände ist normalerweise das ganze Jahr über zu bestimmten Öffnungszeiten frei zugänglich. Führungen finden Sonn- und Feiertags von Anfang April bis Ende Oktober und auf Anmeldung statt. Die Öffnungszeiten der Gaststätte auf der Burg finden Sie hier.

Die Brücke in die Zukunft schlagen!

„Auf einem Vorberge des Teutoburger Waldes, ungefähr in der Mitte zwischen Bielefeld und Osnabrück, erheben sich die Ruinen des Burgschlosses Ravensberg, nach dem das Ravensberger Land seinen Namen führt. Trutzig reckt der alte Bergfried noch sein Haupt empor; an ihn, den starken, lehnt sich ein gastliches Försterhaus; spärliche Reste der alten Burgkapelle und der Umfassungsmauern sind noch übrig geblieben und der tiefe, sagenumwobene Burgbrunnen kündet von vergangener Zeit.“ (aus  H. G. Sander, Die Burg Ravensberg, 3. Aufl. 1916)

Was H. G. Sander, Pfarrer in Herford, schon vor über 100 Jahren notierte, gilt auch heute noch: Alte, denkmalgeschützte Bauten sind mehrere Generationen, oft sogar Jahrhunderte alt. Ob Denkmale die Zeiten überdauern und ihre Geschichte weiterhin erzählen können, hängt davon ab, ob handwerkliche Techniken zu ihrem Erhalt sorgfältig und fachgerecht beherrscht und angewendet werden und Menschen bereit sind, ihnen eine Zukunft zu geben, um das Erbe zu bewahren. Denn Gebäude sind Menschen ähnlich – je älter sie werden, desto mehr Fürsorge brauchen sie.

Seit dem Jahr 2010 ist die umfassende Sanierung der Burg Ravensberg abgeschlossen. Für den Erhalt der Burg in den kommenden Jahren und Jahrzehnten ist durch den Kapitalstock der Stiftung Burg Ravensberg eine solide, wenn auch knapp bemessene Grundlage vorhanden. Bei leeren öffentlichen Kassen wird die Stiftung auch weiterhin auf Spenden ihrer Freunde und Förderer in der Bevölkerung und in Unternehmen angewiesen sein, damit die altehrwürdigen Mauern der Burg den kommenden Generationen weiterhin Wahrzeichen und Fixpunkt in ihrer Heimat sein können. Das Ravensberger Klassenzimmer kann die junge Generation an die Schönheiten und den – bedrohten – Wert der Natur heranführen und die Bedeutung der Geschichte für unsere Heimat deutlich machen. So werden sich Natur- und Denkmalschutz verzahnen, weil viele historische Bauwerke in dem sie umgebenden Naturraum als Rückzugsorte für Tiere dienen. Unsere Fledermäuse im Bergfried sind dafür Beleg.

Die Gaststätte wird Besucher, Wanderer und all jene, die Erholung in der Natur suchen, freundlich empfangen und bewirten. Die Burg Ravensberg wird deshalb auch in Zukunft ein besonderer Ort für besondere Erlebnisse bleiben.

Der Naturraum Teutoburger Wald

Die Burg Ravensberg liegt auf dem Höhenzug des Teutoburger Waldes inmitten eines Naturschutzgebietes und eines ca. 4.500 Hektar großen FFH-Gebietes, eines Naturraums von europäischem Rang. Seine besondere ökologische Bedeutung gewinnt dieses Gebiet aus seinen ausgedehnten Buchenwäldern auf Kalksteinuntergrund. Im März/April ist der Waldboden des Ravensberges mit Lerchensporn und Buschwindröschen übersät.

Der Teutoburger Wald in OWL: Ein besonders geschützer NaturraumAus der Wechselbeziehung zur Münsterländischen Tiefebene resultiert ein reiches faunistisches Artenspektrum. Fast alle Fledermausarten des Anhangs IV der FFH-Richtlinie und die nach Anhang II der Richtlinie als besonders schützenswert geltende Bechsteinfledermaus, Teichfledermaus und das Große Mausohr besiedeln den Raum bzw. überwintern in Höhlen des Teutoburger Waldes.

Seltene Waldvögel wie Schwarzspecht, Hohltaube und Uhu brüten im direkten Umfeld der Burg. Der Uhu, Europas größte Eule, war in Deutschland nahezu ausgestorben. Durch Wiedereinbürgerungsmaßnahmen und strengen Schutz ist der mächtige Nachtgreif an vereinzelten Stellen wie bei uns an der Ravensburg wieder heimisch. Auch für Kolkrabe und Rotmilan ist das Umfeld der Burg ein geeigneter – und doch gefährdeter – Lebensraum.

Nicht zuletzt stellt der Teutoburger Wald als ein in die Norddeutsche Tiefebene hineinragender Arm der europäischen Mittelgebirge eine Orientierungslinie und

Rastplatz für viele Zugvögel dar. Im Frühjahr und Herbst künden große Kranichzüge auf ihrem Weg zu ihren Brutplätzen im Norden bzw. zu ihren Winterquartieren im Süden das Nahen des Frühlings bzw. des Winters an.

Der Teutoburger Wald ist allerdings im Verlauf der Geschichte beidseitig einer intensiven Nutzung durch Landwirtschaft, Wohnen, Gewerbe und Verkehr unterzogen worden, so dass er heute ein nur noch schmales Band darstellt, das in seiner ökologischen Funktion äußerst gefährdet ist.